
SOUNDDESIGN
Der
Oscar-preisgekrönte Sounddesigner und Tontechniker Dane Davis
wurde Ende der 50er-Jahre ganz still im kalifornischen La Mesa geboren.
Aber seitdem hat er ständig Lärm gemacht. Als Jugendlicher
borgte er sich mehrere Tonbandgeräte und probierte aus, wie
man sie zweckentfremden kann. Außer der Klarinette seines Großvater
standen ihm keine traditionellen Musikinstrumente zu Verfügung,
also baute er sich selbst sehr unkonventionelle (und meist auch unbrauchbare)
Instrumente, die er zusammen mit den halb auseinandergebauten Tonbandgeräten
einsetzte. Seine Mutter verbannte ihn in die Garage, wo er ein weiteres
geräuschvolles Jahrzehnt verbrachte.
Als Schüler drehte Davis erste Super-8-Filme, die er als Vorwand
benutzte, um dafür scheinbar sinnlose Toncollagen als Soundtrack
zusammenzustellen. Dieses Interesse trieb ihn auch zu einem Studium
an der Filmschule des California Institute of the Arts, wo er Synthesizer
und viele weitere neue Geräte zum Geräuschemachen kennen
lernte. Er drehte weiter eigene Filme, schuf daneben aber auch Soundtracks
für andere Studentenfilme und mischte schließlich praktisch
alle Filme ab, die an der Schule entstanden.
Nachdem er in den Ernst des Lebens entlassen war, fabrizierte Davis
weiter vor allem nicht-musikalische Soundtracks für experimentelle
Kurzfilme. Daneben begann er als Tontechniker an verschiedenen längeren
Filmprojekten mitzuwirken. 1986 gründete er in Hollywood die Firma
Davistracks – das Büro war ein Schrank in jener Firma, in
der er tagsüber im Bereich Tonüberspielung tätig war.
Immer mehr unabhängige Low-Budget-Filme passierten seinen Schrank,
so dass er seinen Brotjob an den Nagel hängen konnte.
Heute arbeitet Davis vorwiegend als Sounddesigner oder überwacht
die Abmischung von Spielfilmen wie „Treasure Planet“ (Der
Schatzplanet), „8 Mile“ (8 Mile) und „The Matrix“ (Matrix).
Im Fernsehbereich betreute er den Sound für Werbekampagnen, zum
Beispiel für Nike. Auch an dem Spot mit den Massen von Pirelli-Reifen,
die durch die Landschaft rollen, war er beteiligt.
Irgendwann zwischendurch entdeckte Davis sein Faible für die verführerischen
Klänge der interaktiven Spiele. Immer noch läuft es ihm kalt über
den Rücken, wenn er an die atmosphärische Musik und das Sounddesign
bei der Erkundung unbekannter Welten in den Spielen „Myst“ und „Doom“ zurückdenkt.
Mit seiner Firma Davistracks erforscht er heute aktiv die Grenzbereiche
der Psychoakustik interaktiver Medien, die inzwischen fast so aufwändig
gestaltet werden wie Kinofilme. Er hat das erste Jahrzehnt des neuen
Jahrtausends der Entwicklung von Spielen gewidmet, in denen die subjektiven
emotionalen und dramatischen Prinzipien des Kinos eine Hauptrolle übernehmen
sollen.